Autogas, auch als LPG (Liquefied Petroleum Gas) bekannt, ist der mit Abstand günstigste Kraftstoff an deutschen Tankstellen. Während Super E5 im Durchschnitt rund 1,70 Euro pro Liter kostet und Diesel bei etwa 1,60 Euro liegt, zahlst du für Autogas nur zwischen 0,65 und 0,80 Euro pro Liter. Mit über 6.000 LPG-Tankstellen in Deutschland ist das Netz dichter als viele vermuten — und die steuerliche Vergünstigung gilt noch bis Ende 2028. Dieser Ratgeber erklärt dir alles, was du über Autogas wissen musst: von der Technik über die Kosten der Umrüstung bis hin zu den Vor- und Nachteilen im Vergleich mit Benzin, Diesel und Elektroantrieb.
In Deutschland fahren aktuell rund 350.000 Fahrzeuge mit Autogas — Tendenz leicht rückläufig durch die wachsende Elektromobilität, aber stabil bei Vielfahrern und im gewerblichen Bereich. Weltweit ist LPG sogar der dritthäufigste Kraftstoff nach Benzin und Diesel, mit über 27 Millionen Fahrzeugen in Ländern wie Südkorea, der Türkei, Polen und Italien. Für kostenbewusste Autofahrer in Deutschland bleibt Autogas eine der attraktivsten Alternativen — insbesondere, wenn du dein bestehendes Fahrzeug weiterfahren möchtest.
Was ist Autogas (LPG)?
Autogas ist ein Flüssiggas, das hauptsächlich aus Propan (C₃H₈) und Butan (C₄H₁₀) besteht. Das Mischungsverhältnis variiert je nach Jahreszeit: Im Winter ist der Propananteil höher, da Propan bei niedrigeren Temperaturen verdampft als Butan. LPG entsteht als Nebenprodukt bei der Erdölraffinerie und der Erdgasförderung und ist damit kein eigens hergestellter Kraftstoff, sondern eine sinnvolle Verwertung vorhandener Ressourcen.
Der Energiegehalt von LPG liegt bei etwa 6,9 Kilowattstunden pro Liter — rund 25 Prozent weniger als bei Superbenzin (8,8 kWh/L). Deshalb verbraucht ein LPG-Fahrzeug pro 100 Kilometer etwa 15 bis 20 Prozent mehr als im Benzinbetrieb. Trotzdem ist die Kostenersparnis durch den deutlich niedrigeren Literpreis erheblich. Die Oktanzahl von LPG liegt mit 105 bis 115 ROZ deutlich über der von Super (95 ROZ), was für eine saubere und klopffreie Verbrennung sorgt.
Aktuelle Autogas-Preise in Deutschland
Autogas kostet in Deutschland aktuell zwischen 0,65 und 0,80 Euro pro Liter. Der Preis variiert je nach Region, Tankstellenbetreiber und aktuellem Rohölpreis. Im Vergleich: Super E5 liegt bei rund 1,65 bis 1,75 Euro, E10 bei 1,60 bis 1,70 Euro und Diesel bei 1,55 bis 1,65 Euro. LPG ist damit pro Liter weniger als halb so teuer wie Benzin.
Der Grund für den niedrigen Preis liegt vor allem in der steuerlichen Behandlung. Nach dem Energiesteuergesetz (EnergieStG) § 2 Abs. 2 wird Autogas mit einem ermäßigten Energiesteuersatz belegt. Diese Vergünstigung galt ursprünglich bis 2018, wurde mehrfach verlängert und besteht aktuell bis Ende 2028. Selbst nach einer teilweisen Anhebung seit 2019 bleibt die Steuer auf LPG deutlich niedriger als auf Benzin oder Diesel.
Bei einer Jahresfahrleistung von 20.000 Kilometern und einem Verbrauch von 8 Litern Super pro 100 Kilometer zahlst du mit Benzin etwa 2.720 Euro im Jahr. Mit LPG (9,5 L/100 km bei 0,70 Euro) sind es nur rund 1.330 Euro — eine Ersparnis von fast 1.400 Euro. Die aktuellen Kraftstoffpreise für alle Sorten kannst du auf Benzio jederzeit vergleichen.
Tankstellennetz in Deutschland
Deutschland verfügt über eines der dichtesten LPG-Tankstellennetze in Europa. Rund 6.200 Tankstellen bieten Autogas an — das sind etwa ein Drittel aller Tankstellen im Land. In Großstädten wie Berlin, Hamburg und München findest du LPG-Tankstellen an nahezu jeder dritten Station. Auch in ländlichen Gebieten ist die Versorgung deutlich besser als bei alternativen Kraftstoffen wie CNG (Erdgas), das nur an rund 800 Stationen verfügbar ist.
An den meisten deutschen LPG-Tankstellen wird der sogenannte ACME-Adapter verwendet, der auch in Belgien und Luxemburg Standard ist. In manchen anderen europäischen Ländern kommen der Dish-Adapter (Italien, Frankreich), der Bajonett-Adapter (Niederlande, Großbritannien) oder der Euronozzle zum Einsatz. Wenn du mit deinem LPG-Fahrzeug ins Ausland reist, solltest du einen Adapterset mitnehmen — diese kosten zwischen 20 und 40 Euro und sind in jedem Autoteileshop erhältlich.
Tipp: Viele Autogas-Tankstellen sind an freie Tankstellen wie JET oder Globus angeschlossen, die ohnehin zu den günstigeren Anbietern gehören. Nutze eine Tankstellen-App wie Benzio, um gezielt nach LPG-Stationen in deiner Nähe zu suchen.
Umrüstung auf Autogas — Kosten und Ablauf
Die Umrüstung eines Benzinfahrzeugs auf bivalenten LPG-Betrieb kostet in Deutschland typischerweise zwischen 2.000 und 3.500 Euro, abhängig von der Zylinderzahl und dem gewählten System. Für einen Vierzylinder-Motor liegt der Preis meist bei 2.000 bis 2.500 Euro, für Sechszylinder bei 2.500 bis 3.000 Euro und für V8-Motoren bei 3.000 bis 3.500 Euro. Die Umrüstung dauert in der Regel ein bis drei Werktage.
Der Ablauf einer LPG-Umrüstung umfasst mehrere Schritte: Zunächst wird ein zusätzlicher LPG-Tank eingebaut — meist in der Reserveradmulde, wodurch der reguläre Kofferraum weitgehend erhalten bleibt. Dann werden Gaseinspritzdüsen (Injektoren) an den Ansaugkrümmer montiert, ein Verdampfer-Druckminderer installiert und ein elektronisches Steuergerät verbaut, das den Wechsel zwischen Benzin- und Gasbetrieb regelt.
Nach dem Einbau ist eine TÜV-Abnahme (Gasanlagenprüfung nach ECE R67) zwingend vorgeschrieben. Die Anlage wird im Fahrzeugschein eingetragen. Alle zwei Jahre — bei jeder Hauptuntersuchung — wird die Gasanlage zusätzlich geprüft (GAP — Gasanlagenprüfung).
Die Amortisation hängt von deiner Fahrleistung ab. Bei einer Ersparnis von etwa 6 bis 7 Cent pro gefahrenem Kilometer und Umrüstungskosten von 2.500 Euro hast du die Investition nach rund 35.000 bis 40.000 Kilometern herausgefahren. Für Vielfahrer mit 15.000 bis 20.000 Kilometern pro Jahr rechnet sich die Umrüstung daher nach spätestens zweieinhalb Jahren. Pendler, die täglich 50 oder mehr Kilometer fahren, profitieren am meisten.
Autogas in Österreich und der Schweiz
In Österreich ist das LPG-Tankstellennetz deutlich dünner als in Deutschland. Rund 50 Tankstellen bieten Autogas an, vorwiegend in Ostösterreich und entlang der Hauptautobahnen. Der Preis liegt bei etwa 0,70 bis 0,85 Euro pro Liter. Wer aus Deutschland nach Österreich fährt, sollte den Tank vorher auffüllen und die Lage der Stationen vorab prüfen. In Österreich wird wie in Deutschland der ACME-Adapter verwendet.
In der Schweiz ist LPG als Autokraftstoff wenig verbreitet. Es gibt nur rund 30 bis 40 Tankstellen im ganzen Land, verteilt auf die deutschsprachigen Kantone und das Mittelland. Die Preise liegen bei umgerechnet 0,90 bis 1,10 Euro pro Liter und damit höher als in Deutschland, aber immer noch deutlich unter Schweizer Benzinpreisen (rund 1,80 Euro). Die Schweiz nutzt ebenfalls den Dish-Adapter — hier brauchst du einen anderen Aufsatz als in Deutschland. Mehr zum Tanken in der Schweiz findest du in unserem Ratgeber Benzinpreise Schweiz.
Vor- und Nachteile von LPG
Autogas bietet einige überzeugende Vorteile, hat aber auch Nachteile, die du vor einer Umrüstung kennen solltest. Hier die wichtigsten Punkte im Überblick:
Vorteile: LPG ist der günstigste verfügbare Kraftstoff an deutschen Tankstellen — mit Abstand. Die Steuervergünstigung bis 2028 sichert den Preisvorteil mittelfristig ab. Die CO₂-Emissionen liegen rund 15 Prozent unter denen von Benzin, der Feinstaub-Ausstoß ist ebenfalls geringer. Das dichte Tankstellennetz in Deutschland macht LPG alltagstauglich. Da das Fahrzeug weiterhin Benzin tanken kann (bivalenter Betrieb), besteht keine Reichweitenangst. Zudem sind LPG-Motoren leiser im Betrieb und der Verschleiß an Zündkerzen ist geringer, da LPG sauberer verbrennt.
Nachteile: Der Mehrverbauch von 15 bis 20 Prozent gegenüber Benzin reduziert den Preisvorteil leicht. Der LPG-Tank beansprucht Platz — meist die Reserveradmulde, manchmal auch einen Teil des Kofferraums. Die Umrüstungskosten von 2.000 bis 3.500 Euro sind eine Vorabinvestition, die sich erst nach 35.000 bis 40.000 Kilometern amortisiert. An manchen Tiefgaragen und auf einzelnen Fähren ist die Einfahrt mit LPG-Fahrzeugen eingeschränkt, obwohl moderne Anlagen als sicher gelten. Der Wiederverkaufswert eines umgerüsteten Fahrzeugs ist nicht immer höher — manche Käufer sind gegenüber Gasanlagen skeptisch.
Sicherheit und Mythen rund um Autogas
Um Autogas ranken sich seit Jahren Mythen, die viele Autofahrer verunsichern. Der häufigste: LPG sei gefährlich und könne explodieren. In der Realität sind moderne LPG-Anlagen nach der europäischen Norm ECE R67 zugelassen und mit mehreren Sicherheitssystemen ausgestattet: Ein Überdruckventil verhindert das Bersten des Tanks bei extremer Hitze, ein automatischer Füllstopp begrenzt die Füllung auf 80 Prozent und ein Magnetventil unterbricht die Gasversorgung bei abgestelltem Motor.
LPG-Tanks bestehen aus drei bis vier Millimeter dickem Stahl und sind damit deutlich robuster als Benzintanks aus Kunststoff. In ADAC-Crashtests haben LPG-Tanks selbst bei schweren Heckaufprällen standgehalten, ohne zu lecken. Statistisch gesehen ist das Unfallrisiko mit LPG nicht höher als mit Benzin — beide Kraftstoffe sind brennbar, aber LPG ist schwerer als Luft und verflüchtigt sich bei einem Leck nach unten, statt sich in der Luft zu verteilen.
Die Einfahrtverbote in einige Tiefgaragen beruhen auf veralteten Regelungen aus der Zeit vor der ECE R67-Zulassung. Seit 2016 empfiehlt der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW), die Einfahrt für Fahrzeuge mit geprüften Gasanlagen grundsätzlich zu erlauben. Immer mehr Parkhausbetreiber folgen dieser Empfehlung — prüfe aber im Zweifelsfall die Beschilderung am Eingang.
Ein weiterer Mythos betrifft den Motorverschleiß: Manche Autofahrer befürchten, dass LPG die Ventilsitze beschädigt. Bei älteren Motoren ohne gehärtete Ventilsitze war das tatsächlich ein Problem. Moderne Umrüstsysteme lösen dies durch automatische Ventilschutz-Additive (sogenannte Valve Saver Kits), die eine geringe Menge Schutzflüssigkeit in den Ansaugtrakt einspritzen. Damit ist der Verschleiß vergleichbar mit dem Benzinbetrieb.
LPG vs. Elektro — Was lohnt sich 2026?
Die Frage, ob LPG oder ein Elektrofahrzeug die bessere Wahl ist, hängt stark vom Fahrprofil ab. Für Vielfahrer auf Langstrecken ist LPG aktuell kaum zu schlagen: Die kombinierten Kraftstoffkosten liegen bei etwa 6 bis 7 Cent pro Kilometer, die Infrastruktur ist flächendeckend vorhanden und die Betankung dauert weniger als fünf Minuten.
Elektrofahrzeuge haben bei reinen Stromkosten einen Vorteil: Bei einem Heimladestrompreis von 0,30 Euro pro kWh und einem Verbrauch von 18 kWh pro 100 Kilometer kosten 100 Kilometer etwa 5,40 Euro — leicht unter den LPG-Kosten von etwa 6,50 Euro. An öffentlichen Schnellladesäulen liegen die Kosten mit 0,50 bis 0,70 Euro pro kWh allerdings oft höher. Hinzu kommen deutlich höhere Anschaffungskosten für ein BEV und die Abhängigkeit von der Ladeinfrastruktur, die besonders in ländlichen Gebieten und auf Langstrecken noch Lücken hat.
Für Stadtfahrer mit kurzen täglichen Strecken unter 50 Kilometern und einer Wallbox zu Hause ist ein Elektroauto langfristig die wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Wahl. Wer dagegen regelmäßig 200 Kilometer und mehr am Stück fährt, keine eigene Lademöglichkeit hat oder ein bestehendes Benzinfahrzeug weiterfahren möchte, für den ist die LPG-Umrüstung der pragmatischere und günstigere Weg. Vergleiche die Kraftstoffkosten verschiedener Antriebe in unserem Diesel vs. Benzin Vergleich.
Praktische Tipps für LPG-Fahrer
Wenn du dich für Autogas entschieden hast oder bereits mit LPG fährst, helfen dir diese Praxistipps im Alltag:
- Benzinreserve einplanen: Starte den Motor morgens immer auf Benzin und wechsle erst nach ein bis zwei Minuten auf LPG. Das schont den Verdampfer und sorgt für optimale Betriebstemperatur. Die meisten modernen Anlagen schalten automatisch um.
- Im Winter auf Benzin starten: Bei Temperaturen unter minus zehn Grad braucht der Verdampfer länger, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Lass das Fahrzeug die ersten Kilometer auf Benzin laufen.
- Jährliche Wartung: Die Gasanlage sollte einmal jährlich von einer zertifizierten Werkstatt geprüft werden — Filterwechsel, Düsenreinigung und Systemcheck sind Standardpositionen und kosten rund 50 bis 100 Euro.
- Tank nie über 80 Prozent füllen: LPG-Tanks verfügen über einen automatischen Füllstopp bei 80 Prozent Füllung. Das ist ein Sicherheitsmerkmal, da sich Flüssiggas bei Erwärmung ausdehnt und ein Sicherheitsvolumen erforderlich ist. Versuche niemals, den Tank darüber hinaus zu befüllen.
- Adapter für Auslandsreisen: Besorge dir ein Set mit ACME-, Dish- und Bajonett-Adaptern, bevor du ins europäische Ausland fährst. In unserem Ratgeber zum Tanken im Ausland findest du eine Übersicht der Anschlusstypen pro Land.
- Tankstellen vorab planen: Nutze die Benzio-App, um LPG-Tankstellen entlang deiner Route zu finden. Besonders auf Autobahnfahrten ist es sinnvoll, die nächste LPG-Station zu kennen — nicht jede Autobahn-Tankstelle führt Autogas. Mehr zum Tanken auf der Autobahn findest du im Ratgeber Autobahn-Tanken.
Noch ein Hinweis zur Tankstrategie: Die Preise für LPG schwanken im Tagesverlauf weniger stark als bei Benzin und Diesel, da LPG-Tankstellen seltener Preisänderungen melden. Trotzdem lohnt sich ein Preisvergleich — insbesondere zwischen Markentankstellen und freien Anbietern können die Unterschiede 5 bis 10 Cent pro Liter betragen. Bei einem 50-Liter-Tank sind das immerhin 2,50 bis 5 Euro pro Füllung. Auf lange Sicht summiert sich das: Bei wöchentlichem Tanken kannst du allein durch den Preisvergleich über 200 Euro im Jahr zusätzlich sparen.
Mit diesen Tipps holst du das Maximum aus deiner LPG-Anlage heraus und sparst dauerhaft Kraftstoffkosten. Weitere allgemeine Spartipps findest du in unserem Ratgeber 10 Tipps zum Spritsparen.